Interview: Was denken die eigentlich!?

Ein Jugendlicher steht lächelnd am Eingang des Museumsdienst Hamburg.
Porträt Schülerpraktikant Daniel Ramharter, © Museumsdienst Hamburg, E. Perel

Rund 250.000 Besucher*innen nutzen in jedem Jahr Vermittlungsangebote in Hamburgs Museen, Ausstellungshäusern und Gedenkstätten, viele davon Schülerinnen und Schüler. Und was halten die eigentlich davon, die Jugendlichen?! Daniel Ramharter hat im Rahmen seines dreiwöchigen Schulpraktikums beim Museumsdienst Hamburg an sieben Führungen in sieben verschiedenen Museen und Ausstellungshäusern teilgenommen und ist mit seinen 14 Jahren also echter Experte. Wir haben ihn zu seinen persönlichen Erfahrungen befragt.

Du hast ja ein breites Spektrum an Vermittlungsangeboten und Museen erleben können. Was für Gruppen hast du bei Führungen in welchen Museen begleitet?

Ich hatte das große Glück unterschiedlichste Klassen begleiten zu dürfen, u.a. Jahrgangsstufen von 8-11 aus den verschiedensten Ecken Hamburgs, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands. Beispielsweise aus Bremen hat eine Schulklasse das Museum der Arbeit besucht und sich eine der dortigen Führungen zu Gemüte geführt. Die Führungen waren unterschiedlich lang, von einer bis zu eineinhalb Stunden. Außerdem umfassten meine Besuche eine regelrechte Vielzahl an Museen, da ich im Museum der Arbeit, in der Hamburger Kunsthalle, der Sammlung Falckenberg, in den Deichtorhallen im Haus der Photographie, im Internationalen Maritimen Museum, im Museum am Rothenbaum und im Museum für Kunst und Gewerbe war – und das innerhalb von nur 3 Wochen.

Welche der Führungen hat dir besonders gut gefallen und warum?

Besonders stark in Erinnerung geblieben ist mir die Führung im Internationalen Maritimen Museum, weil dort in einer der Besichtigungsrunden ein Guide mit sehr viel Leidenschaft uns in die Welt des maritimen Handels hat eintauchen lassen.

Welche Objekte oder Exponate sind dir besonders aufgefallen?

Bei der Führung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg konnten wir Kommunikation auf hoher See richtig nachfühlen, als wir Besucher*innen selbst Worte mit Flaggen bilden sollten. Die Flaggen hätte ich sonst sicher schnell wieder vergessen. Genauso einprägsam waren die Installationen im Museum für Kunst und Gewerbe, die es den Teilnehmenden ermöglichte, manche Bereiche genauer zu beleuchten als andere. Natürlich kann nicht in jedem Museum gleichermaßen eine solche Interaktion und Beteiligung an den Ausstellungen gewährleistet werden, da besonders Kunstmuseen Probleme damit haben dürften, wenn jede*r Besucher*in die Beschaffenheit der Bilder mit den Händen überprüfen möchte. Aber wenn dieses Mitmachen und diese Interaktion fehlt, glaube ich, erlahmt auch viel schneller das Interesse der Besucher*innen. Die meisten jungen Menschen benötigen einfach noch viel mehr Aktion und Realitätsnähe als ältere Menschen.

Welche Details oder Geschichten, die die Vermittler*innen dabei erzählt haben, sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Besonders in Erinnerung habe ich noch die Geschichte zu Duala Manga Bell, der König des Duala Volkes zu Zeiten der deutschen Kolonialherrschaft war. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde diese Führung gestaltet und interessant vorbereitet. Dabei waren verschiedene Berufsgruppen beteiligt und so sind vielfältige Führungsstationen entstanden. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass die Gruppe nicht den Sprung geschafft hat, zuerst das umständliche Thema Kolonialzeit zu durchdringen und dann auch noch die vielen Detailinformationen einzuordnen.

Müsste aus deiner Sicht bei Führungen für Jugendliche etwas anders gemacht werden?

Grundsätzlich sollte man vermutlich generell noch mehr darauf achten, das Gezeigte möglichst immer mit der Lebensrealität und den Interessen der jungen Menschen zu verknüpfen – etwas zu machen, so wie die Flaggen im Internationalen Maritimen Museum. Mir hat es auch immer richtig gut gefallen, wenn die Guide-Person das Wichtigste grob, aber dafür mit packenden Worten kurz skizziert hat. Und weil in meiner Generation immer alles schnell gehen muss, kann ich auch nur dazu raten, Führungen in Unterrichtsstundeneinheit anzubieten, um dafür zu sorgen, dass die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden hochgehalten wird.

Danke, lieber Daniel, für deine Erkenntnisse und kritischen Analysen!

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