Direktor*innen-Dienstag #8

Direktor*innen-Dienstag mit der Helmut Schmidt Stiftung

Hamburgs Museumsdirektor*innen stehen uns Rede und Antwort: Alle zwei Wochen beantworten sie 9 Fragen zu ihrem Haus, zum Beruf und zu sich. Heute begrüßen wir Dr. Magnus Koch, Leiter des Arbeitsbereichs Ausstellungen und Geschichte bei der Bundeskanzler Helmut Schmidt Stiftung und der angeschlossenen Helmut-Schmidt-Ausstellung.

1. Welche Stadt, welches Land bzw. welche regionalen oder kulturellen Einflüsse haben Sie in Ihrem Denken besonders geprägt?
Ich habe in den letzten Jahren für Recherchen, Denkmal- und Ausstellungsprojekte viel Zeit in Wien verbracht. Der Stadt fühle ich mich sehr verbunden, ich habe dort Freunde gefunden. Deutsche und Österreicher*innen unterscheiden sich – nach einem vielzitierten Bonmot – durch ihre gemeinsame Sprache. Gespräche und Erfahrungen mit Menschen von der staatlichen bis zur privaten Ebene haben mir eine Menge zu denken gegeben über das Land, in dem ich aufgewachsen bin.

2. Seit wann leben Sie in Hamburg?
Ich bin 1997 von Göttingen nach Hamburg gezogen, damals übrigens gemeinsam mit meiner Wohngemeinschaft.

3. Welche Museen, Kultureinrichtungen oder Gedenkorte haben Sie in Ihrer Arbeit nachhaltig beeinflusst?
Zwischen 2006 und 2017 habe ich für die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin gearbeitet, dort eine Wanderausstellung erarbeitet und auf ihrem Weg durch Deutschland und Europa begleitet. Dabei habe ich viel über die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen von historischen Akteur*innen gelernt – und über die Bedeutung von Zwischentönen und Vieldeutigkeiten für die Darstellung und Vermittlung von Geschichte (nicht nur in Ausstellungen).

4. Welche Ausstellung ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben und warum?
Mich hat eine Ausstellung aus dem Museum der Arbeit sehr beeindruckt. Die Ausstellung „Entscheiden. Eine Ausstellung über das Leben im Supermarkt“ hat die Frage der Interaktion mit dem Publikum auf spannende und sehr konsequente Weise bearbeitet – mich hat das überzeugt, nicht zuletzt auch deshalb, weil das Thema individueller Entscheidungen (und der Weg dorthin) für das Demokratie-Thema unserer ständigen Ausstellung und der Stiftungsarbeit insgesamt zentral ist.

5. Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung im Berufsbild des Museumsdirektors?
Als Leiter des Arbeitsbereichs Ausstellungen und Geschichte geht es immer wieder um die konsequente Umsetzung von Querschnittsthemen der Stiftung auch im Arbeitsalltag. Da ist wiederum das Thema Demokratie und damit die Frage, wie in größeren oder kleineren Arbeitszusammenhängen Entscheidungen zustande kommen und begründet werden, von besonderer Bedeutung. Das bedeutet, dass solche Prozesse oft länger dauern. Das auszuhalten und mit den auch von außen gesetzten Zeitplänen abzustimmen, ist häufig eine Herausforderung.

6. Bitte stellen Sie uns mit einem Satz vor: das größte, das wertvollste und das wundersamste Objekt Ihrer Sammlung?
Das wertvollste Objekt ist sicher das von Helmut Schmidt selbst durchaus kunstvoll fabrizierte Schachspiel aus der britischen Kriegsgefangenschaft (Sommer 1945) – mit ihm verbinden sich eine lebenslange Leidenschaft für das Spiel und der Weg des Oberleutnants der Luftwaffe in die Sozialdemokratie. Das größte Objekt ist das Wohnhaus Helmut und Loki Schmidts in Langenhorn (mit angegliedertem Archiv), das Leben und Arbeit der beiden auf einzigartige Weise vermittelt. Besonders wundersam scheint mir die Puppe einer Native American (mit Kind) aus den 1920er Jahren zu sein, die uns als einziges Objekt von Helmut Schmidt aus seiner Kindheit und Jugend überliefert ist – ein Geschenk von Verwandten aus den USA.

7. Welche Kooperation – ob mit Stiftungen, anderen Museen, Wirtschaftsunternehmen, sozialen Einrichtungen oder anderen – hielten Sie für besonders gelungen und warum?
Besonders inspiriert hat mich die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Public Historian Thorsten Logge. Über ihn haben wir wertvolle Impulse für Meta-Fragen der Präsentation von Zeitgeschichte in Ausstellungen bekommen. Außerdem waren die Fokusgruppen, die er mit begleitet hat – und damit der Kontakt zu der für Ausstellungshäuser und Museen wohl besonders schwer zu erreichenden Gruppe der Studierenden – sehr wertvoll für uns.

8. Welche Besucher*innengruppen wünschten Sie sich noch oder mehr in Ihrem Haus begrüßen zu dürfen? Welche Maßnahmen sehen Sie, diese erreichen zu können?
In einer Stadt wie Hamburg, mit ihrer Vielfalt an kulturellen Hintergründen seiner Bewohner*innen würde ich mir wünschen, unser Thema „Demokratie leben“ möglichst breit zu kommunizieren. Über den personalen Zugang und die Vielfältigkeit des Themenspektrums in der Ausstellung hoffen wir, diese Zielgruppen erreichen zu können. Dafür haben wir eine Kooperation mit der Hamburger Volkshochschule auf den Weg gebracht und im engen Austausch mit einer Vermittlerin besondere Begleitmaterialen erarbeitet.

9. Und schließlich: Was möchten Sie in Ihrem Museum noch erleben?
Debatten, Streit und Diskussionen – über die Demokratie der Zukunft und über die Frage, wie Geschichte in Museen präsentiert werden sollte.

Vielen Dank!

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