Direktor*innen-Dienstag #3

Logos vom Museumsdienst und vom CeNak Centrum für Naturkunde der Uni Hamburg
Direktor*innen-Dienstag mit dem CeNak Uni Hamburg

Hamburgs Museumsdirektor*innen stehen uns Rede und Antwort: Alle zwei Wochen beantworten sie 9 Fragen zu ihrem Haus, zum Beruf und zu sich. Heute begrüßen wir Prof. Dr. Matthias Glaubrecht, Centrum für Naturkunde (CeNak) an der Universität Hamburg.

1. Welche Stadt, welches Land bzw. welche regionalen oder kulturellen Einflüsse haben Sie in Ihrem Denken besonders geprägt?
In jedem Fall Australien – mit seiner scheinbaren Weite und einmaligen Fauna und Flora. Und südostasiatische Länder wie Indonesien und Thailand mit ihrer jeweils eigenen Kultur und Natur.

2. Seit wann leben Sie in Hamburg?
Ich bin hier geboren, habe – mit kurzer Unterbrechung – hier und vor den Toren der Stadt meine Kindheit verbracht, in Hamburg studiert & promoviert von 1984-1996 und bin seit 2014 mit der Familie wieder zurück in Hamburg.

3. Welche Museen oder Kultureinrichtungen haben Sie in Ihrer Arbeit nachhaltig beeinflusst?
Ich habe als Zoologe offenbar eine frühkindliche Prägung durch jahrelange Besuche im Tierpark Hagenbeck, dem ich mich bis heute verbunden fühle. Als „Museums-Mann“ haben mich längere Forschungsaufenthalte am National Museum of Natural History in Washington DC und am Australian Museum in Sydney beeinflusst und geprägt. Und dann sicherlich meine beinahe zwei Jahrzehnte währende Tätigkeit als Kurator in Forschung und Ausstellung am Berliner Museum für Naturkunde.

4. Welche Ausstellung ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben und warum?
Die Erarbeitung und Eröffnung der Dauerausstellung in den vier Kernsälen des Berliner Naturkundemuseums – ein Qunatensprung für das damalige verkannte Museum. Seit Juli 2007 haben wir dadurch die Besucherzahlen kontinuierlich auf über eine halbe Million Menschen gesteigert.

5. Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung im Berufsbild der Museumsdirektor?
Naturkundemuseen sind – mehr als andere Museen im Kunstbereich – an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kultur; sie sind ein enorm wichtiges Fenster zur Wissenschaft und eröffnen diesen Bereich für die Gesellschaft. Doch sie werden oft in dieser wesentlichen Funktion noch oft verkannt, seitens der Wissenschaft sowie der Kultur.

6. Bitte stellen Sie uns mit einem Satz vor: das größte, das wertvollste und das wundersamste Objekt Ihrer Sammlungen?
Die „Mona Lisa“ der Hamburger Naturkunde ist der weltweit einmalige doppelzähnige Schädel eines weiblichen Narwals, der 1684 nach Hamburg kam, die Bombardierung des Naturhistorischen Museums 1943 glücklich überstand und bis heute die Geschichte der Hamburger naturkundlichen Sammlungen verkörpert.

7. Welche Kooperation – ob mit Stiftungen, anderen Museen, Wirtschaftsunternehmen, sozialen Einrichtungen oder anderen – hielten Sie für besonders gelungen und warum?
Ich glaube an eine neue kulturelle „Museums-Achse“ insbesondere aus Hafenmuseum und dem Neubau unseres Naturkundemuseums als „Evolutioneum“ – und vielleicht sogar eines Science Centers – nördlich und südlich der Norderelbe in der HafenCity. Das könnte, gemeinsam mit der Elbphilharmonie, das neue kulturelle Herz Hamburgs sein, weshalb es gelingt neue Besucherströme nach Hamburg zu locken, um die Geschichte und Zukunft des Hafens sowie der Wirkung von Natur und Technik für den Menschen zu zeigen. Dies zu verwirklichen sollte das große Ziel sehr vieler Stiftungen in Hamburg haben, deren Interesse zu wecken uns gelingen muss.

8. Welche Besucher*innengruppen wünschten Sie sich noch oder mehr in Ihrem Haus begrüßen zu dürfen? Welche Maßnahmen sehen Sie, diese erreichen zu können?
Interessierte Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen es uns gelingt zu vermitteln, wie wichtig ein Verständnis der Natur und ihrer Zusammenhänge vor allem auch für ihr Leben und ihre Zukunft ist. Dazu brauchen wir ein spannendes und ansprechendes Ausstellungshaus, den Neubau eines „Evolutioneum“.

9. Und schließlich: Was möchten Sie in Ihrem Museum noch erleben?
Den Bau und die Eröffnung einer großartigen, architektonisch gelungenen Naturkundemuseums, eben dieses „Evolutioneum“ an prominentem Ort in der Hansestadt noch in diesem Jahrzehnt.

Vielen Dank!

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