Direktor*innen-Dienstag #1

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Direktor*innen-Dienstag mit Archäologischem Museum Hamburg/ Stadtmuseum Harburg

Hamburgs Museumsdirektor*innen stehen uns Rede und Antwort: Alle zwei Wochen beantworten sie 9 Fragen zu ihrem Haus, zum Beruf und zu sich. Den Anfang macht Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Archäologisches Museum Hamburg / Stadtmuseum Harburg.

1. Welche Stadt, welches Land bzw. welche regionalen oder kulturellen Einflüsse haben Sie in Ihrem Denken besonders geprägt?
Im Großen bin ich ganz klar kulturell europäisch geprägt, im Kleinen deutsch, im Regionalen bin ich Bayer, und im Lokalen inzwischen Harburger. Als Kind von Heimatvertriebenen habe ich allerdings auch eine enge Bindung an diese Wurzeln, wo zwar nicht meine Heimat, aber die meiner Vorfahren liegt. Auch deshalb habe ich großes Verständnis für Migrantenkinder, die in zweiter und dritter Generation in Deutschland leben, ihre Herkunftskultur aber in Ehren halten.

2. Seit wann leben Sie in Hamburg?
Seit 2003

3. Welche Museen oder Kultureinrichtungen haben Sie in Ihrer Arbeit nachhaltig beeinflusst?
Meine Arbeit und mein Berufsleben drehen sich seit inzwischen drei Jahrzehnten um Museen, im Besonderen natürlich um archäologische Museen. Und selbst in meiner Kindheit haben meine Eltern mich in die großen Museen wie den Louvre, die Uffizien oder das Britische Museum mitgenommen, so dass mein Berufswunsch eigentlich schon als Schüler feststand.

4. Welche Ausstellung ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben und warum?
Da gibt es sehr viele, aus sehr unterschiedlichen Gründen, quer durch Zeit und Raum. Nachhaltig waren aber sicher die frühesten Ausstellungsbesuche: 1976 habe ich im Haus der Kunst in München „Nofretete – Echnaton“ gesehen, 1977 „Die Zeit der Staufer“ in Stuttgart, beides gewissermaßen Erweckungserlebnisse als Kind.

5. Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung im Berufsbild der Museumsdirektorin/ des Museumsdirektors?
Als Museumsdirektor ist man Sachwalter auf Zeit. Man trägt große Verantwortung für die Sammlung, die das Kernstück und die einzige Daseinberechtigung für ein Museum bildet. Zusammen mit dem gesamten Museumsteam hat man dafür Sorge zu tragen, das kulturelle Erbe in die nächste Generation zu tragen. Das betrachte ich als die größte Herausforderung hinter den Kulissen. Dabei darf man allerdings die Sammlung nicht balsamieren und mumifizieren, sondern muss sie quicklebendig halten und stets neu befragen und herausfordern. Hier liegt die größte Herausforderung darin, die Sammlung immer wieder zum Sprechen zu bringen, und zwar nicht in auswendig gelernten und immergleichen Worthülsen, sondern stets auf aktuellem Forschungsstand und unter aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen oder politischen Fragestellungen.

6. Bitte stellen Sie uns mit einem Satz vor: das größte, das wertvollste und das wundersamste Objekt Ihrer Sammlung?
Das größte Objekt dürfte ein sog. Lackprofil sein, das auf 8 m Länge einen Teil-Querschnitt durch den Wall der mittelalterlichen Burg von Hollenstedt im Landkreis Harburg konserviert.
Das wertvollste Objekt liegt im Auge des Betrachters, da wir als Archäologen aus Gründen der Berufsethik nicht in pekuniären Kategorien denken dürfen.
Eines der wundersamsten Objekt ist ein Modell des Harburger Binnenhafens, 1859 angefertigt als Tastmodell für den blinden König Georg V. von Hannover.

7. Welche Kooperation – ob mit Stiftungen, anderen Museen, Wirtschaftsunternehmen, sozialen Einrichtungen oder anderen – hielten Sie für besonders gelungen und warum?
Das Archäologische Museum Hamburg steht in so vielen Kooperationen, dass wirklich keine herauszuheben ist. Viel wichtiger finde ich die Erkenntnis, dass wir ohne Kooperationen im eigenen Saft kochen und im Stillstand verharren würden. Unser nationales und internationales Standing verdanken wir zu großen Teilen erfolgreichen Kooperationen.

8. Welche Besucher*innengruppen wünschten Sie sich noch oder mehr in Ihrem Haus begrüßen zu dürfen? Welche Maßnahmen sehen Sie, diese erreichen zu können?
Ehrlich gesagt alle, denn mehr geht immer. Das Schlagwort der Saison heißt „Outreach“, und wir haben dank der Finanzierung über die Innovationsoffensive der Kulturbehörde einige vielversprechende Projekte am Start, mit denen wir unsere Museumsinhalte nach außen tragen. Damit werben wir letzten Endes auch für den Besuch des Museums.

9. Und schließlich: Was möchten Sie in Ihrem Museum noch erleben?
Auf diese Frage erhielten Sie jedes Mal eine neue Antwort, da wir fortlaufend neue Etappenziele haben. Derzeit ist unser wichtigstes Projekt die Realisierung einer kleinen Museumsdependance auf dem Hopfenmarkt in der Hamburger City, wo wir eine authentische Ausgrabung dauerhaft erlebbar machen und die Frühgeschichte Hamburgs von der Hammaburg bis zur Gründung der Neustadt erzählen wollen.

Vielen Dank!

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